Das ist das offizielle Foto "Tod eines spanischen Milizionärs" ("Falling Soldier"), das von der Agentur Magnum lizenziert wird. Es gibt mehrere Varianten des Bildes, das Negativ existiert nicht mehr. Unterschiedliche Bildausschnitte in verschiedenen Veröffentlichungen machen es unmöglich, exakt zu rekonstruieren, wie das Original aussah. Man nimmt an, dass Capa selbst das Foto beschnitten haben könnte. Denn der Abzug entspricht keinem gängigen Negativformat. Mit welcher Kamera wurde es aufgenommen? Was ist auf dem restlichen Bild zu sehen? Die Antworten auf diese Fragen könnte nur Robert Capa beantworten und Wissenschaftler können nur rätseln, was es mit dem Foto auf sich hat.
Collage aus dem Cover des Bildbandes "Auf den Spuren von Robert Capa", erschienen im Verlag Knesebeck und "Falling Soldier".
Robert Capa vermochte auf eindrucksvolle Weise über den Schrecken des Krieges zu berichten. Er scheute kein Risiko und seine Fotografien entstanden aus unmittelbarer Nähe. Direkt an der Front hielt er statt einem Gewehr die Kamera parat und war stets bereit, dem Tod ins Auge zu blicken. So entstand auch eines der berühmtesten Kriegsbilder der Welt: "Falling Soldier" bzw. "Tod eines spanischen Milizionärs". Das Bild zeigt einen Mann, der 1936 im Spanischen Bürgerkriegs erschossen wird. In der Geschichte der Fotografie kam es äußerst selten vor, dass ein Fotograf in der Lage war, ein solch dramatisches Dokument zu liefern.
"Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran." (Zitat: Robert Capa)
Doch gelang Robert Capa die Aufnahme wirklich in dieser Art? Es gibt kaum ein Foto, um dessen Wahrheitsgehalt so viel diskutiert wurde, wie dieses. Immer wieder tauchten Hinweise auf, dass dieses Foto inszeniert sein könnte. Die einzige Quelle, die Aufschluss geben könnte, ist verschollen: Es existiert kein Negativ zu diesem Foto. In den letzten Jahren konnte nachgewiesen werden, dass nicht der Soldat Federico Borrell García auf dem Bild zu sehen ist, wie lange angenommen wurde. Der Ort der Aufnahme ist ebenfalls in Zweifel gezogen worden. Es existiert ein zweites Bild, das ebenfalls von Capa gemacht wurde, auf dem ein anderer Soldat von einer Kugel getroffen wird. Aufnahmeort und Landschaft sehen exakt so aus, wie bei der ersten Aufnahme. Das Foto gibt viele Rätsel auf. Unstrittig ist dagegen, dass Robert Capa zu der Zeit, zu der das Foto entstand, vor Ort war. Anhand von zahlreichen anderen Bildern aus dem spanischen Bürgerkrieg ist ersichtlich, dass er sich an der Front aufhielt und Soldaten begleitete. Es ist nicht möglich zu sagen, ob dieses Foto echt ist, wie es entstand und ob der Mann auf dem Bild tatsächlich gerade stirbt oder sich nur fallen lässt. Dennoch ist diese Bildikone in unserem Gedächtnis verankert: vielleicht auch deshalb, weil es keinen Echtheitsbeweis für dieses Foto gibt. Autobiograf und Freund Capas Richard Whelan sagt zu diesem Foto: "Die Wahrheit ist nicht einfach nur schwarz-weiß".
Das Buch "Auf den Spuren von Robert Capa" von Bernard Lebrun & Michel Lefebvre kann das Rätsel um das Bild aus dem spanischen Bürgerkrieg nicht lösen, aber die Autoren bringen uns den Menschen Robert Capa näher. Ein Mann, süchtig nach Gefahr und dem perfekten Bild. Capa starb unter tragischen Umständen im Jahr 1954, als er auf eine Landmine trat. Er war Mitbegründer der Agentur "Magnum". Seit 1955 wird ihm zu Ehren mit der "Robert Capa Gold Medal" die beste Fotoreportage des Jahres ausgezeichnet, die besonderen Mut und Unternehmensgeist erfordert. Erstmals veröffentlichte Dokumente und persönliche Gegenstände erlauben einen Blick hinter die Fassade des legendären Robert Capa.
"Auf den Spuren von Robert Capa" ist im Verlag Knesebeck erschienen.










