August 2009: Arbeiter beim Zerlegen von Schiffsteilen in Chittagong, Bangladesch.
Verschrottung ausgedienter Schiffe in Chittagong. (Foto: Imago)
Die Abwrackindustrie in Südostasien blüht. Rund 30 bis 40 Prozent aller jährlich ausgemusterten Hochseeschiffe finden hier ihren letzten Anlaufhafen. An einem nur wenige Kilometer langen Strandabschnitt reihen sich rund 70 Abwrackwerften, die aufgrund der Arbeitsbedingungen und der Umweltverschmutzung immer wieder im Fokus von Kritikern stehen. Die internationalen Proteste gegen die Werften gehen mittlerweile soweit, dass Reedereien ihre Schiffe umbenennen und unter falschem Namen zu den Abwrackzentren schiffen lassen, um nicht selbst in den Fokus von Kritikern zu geraten. 2006 verhinderten Proteste, dass der asbestbelastete Flugzeugträger Clemenceau nicht in indische Hoheitsgewässer einlaufen durfte und professionell im englischen Hartlepool zerlegt werden musste.Moderne Techniken zum Abwracken von Schiffen gibt es in den Werften von Chittagong nicht. Die Schiffe werden mit Höchstgeschwindigkeit auf den Strand gefahren und dort von hunderten Arbeitern zerlegt. Selbst für Billiglohnländer, wie Indien, sind die Arbeitsbedingungen und der Lohn sehr schlecht. Für nur umgerechnet wenige Cent riskieren die Arbeiter jeden Tag ihr Leben. Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen sind im Gebiet rund 150.000 Menschen finanziell von den Abwrackwerften abhängig. In Europa müssten die Arbeiter Stahlkappenstiefel, Arbeitskleidung und Atemschutz tragen, die Arbeit an einem solchen Strand wäre aber ohnehin nicht erlaubt. Inoffizielle Schätzungen gehen von täglichen Unfallen mit Toten und Schwerverletzten aus. Eine 100 Stunden Woche ist nach Berichten keine Seltenheit, oft sind es sogar noch Kinder, die für ihre Familien arbeiten gehen müssen. Aufgrund von Kontakt mit Asbest, Ölrückständen und anderen toxischen Substanzen treten bei den meisten Arbeitern schon sehr früh Erkrankungen auf. Für die Verschrottung werden die Schiffe nur in den seltensten Fällen vorbereitet, weshalb es bei Schweißarbeiten immer wieder zu Bränden und Explosionen kommt. Die Abwrackwerften liefern die Stahlteile an nicht weit entfernte Stahlwerke, wo sie eingeschmolzen werden. Bangladesch bezieht einen Großteil seiner Jahresproduktion an Stahl aus den Werften in Chittagong. Die Stadt hat rund 3,6 Millionen Einwohner, von denen die Meisten an der Armutsgrenze leben. Chittagong ist neben der Hauptstadt Dhaka die zweitgrößte Stadt von Bangladesch und außerdem das wichtigste Wirtschaftszentrum des Landes.










