Er verkauft die Straßenzeitung "Big Issue" in Manchester. Bei einem Autounfall vor vielen Jahren hat er ein Auge verloren, seitdem ist er obdachlos.
Mit diesem Bild wurde Lee Jeffries "Digital Camera Photographer of the year 2011".
Porträtt von Lee Jeffries.
“… es sind nicht die Falten, die in meinen Porträts die Geschichte erzählen: Es sind die Augen, immer die Augen", sagt der Fotograf Lee Jeffries im Interview mit dem SZ-Magazin.
Das Gesicht des Mannes ist voller Runzeln und Falten, die sich wie Krater durch das Antlitz ziehen. Kurz verfolgt man die Wege dieser Risse in der Haut, aber dem Blick dieser Augen kann man nicht ausweichen. Die Geschichte, die die Augen erzählen, ist traurig und voll Kummer. Aber da ist noch etwas anderes, ein leichtes Blitzen verrät Hoffnung und Lebensfreude. Es ist ein Blick, dem man vielleicht von Angesicht zu Angesicht nicht standhalten könnte, weil er so durchdringend ist.
Alles begann mit einem Mädchen in London. Im Leicester Square fotografierte Lee Jeffries eine junge Obdachlose, die zusammengekauert in ihrem Schlafsack lag. Es war ihr unangenehm fotografiert zu werden. Zuerst wollte er weggehen, aber er blieb um sie anzusprechen. Die Geschichte des Mädchens rührte ihn und veränderte den Blick des Fotografen auf die Obdachlosen in seiner Heimatstadt. Seitdem trägt er die Kamera immer bei sich: "Du weißt nie wer dir begegnet". Lee Jeffries, geboren 1978 in Manchester, hat sich das Fotografieren selbst beigebracht. Zunächst war er mit Kumpels eher in der Fußballszene unterwegs. Dort nahm er das bunte Treiben der bekannten Vereine auf. Das Fotografieren von Obdachlosen und Bettlern habe seine Grundeinstellung zu Kunst und Fotografie sehr verändert. Als Fotograf möchte er zeigen, wie er die Menschen sieht, ohne Vorurteil und mit Respekt vor der Person hinter einer tragischen Geschichte.
Lee Jeffries fotografiert niemanden der das nicht möchte. Er bittet stets um Erlaubnis. Manchmal ergibt sich ein langes Gespräch, denn die Obdachlosen scheint es zu freuen, nicht abgestempelt zu werden. Meist haben sie nur Kontakt zu anderen Obdachlosen. "Ich möchte Mitgefühl wecken und Ungerechtigkeiten aufzeigen", sagt Lee Jeffries. Bei seinen Reisen durch die USA und Europa wird Jeffries auch in Zukunft die Kamera bei sich tragen und wer weiß, wer ihm noch begegnet.
Weitere Fotos des Fotografen finden Sie hier: Fotostream - Lee Jeffries










